Das sogenannte Messie-Syndrom (wissenschaftlich oft als chronische Desorganisation oder pathologisches Horten bezeichnet) betrifft schätzungsweise fast zwei Millionen Menschen allein in Deutschland. Dennoch ist das Thema in unserer Gesellschaft nach wie vor stark tabuisiert und mit Vorurteilen behaftet. Viele Menschen stufen Betroffene vorschnell als "faul" oder "unordentlich" ein. Doch das greift viel zu kurz.
Was ist das Messie-Syndrom wirklich?
Es handelt sich um eine ernstzunehmende psychische Störung bzw. ein Verhaltensmuster, bei dem es den Betroffenen schwerfällt, den Wert von Gegenständen einzuschätzen. In der Folge wird das Aussortieren und Wegwerfen unmöglich. Räume füllen sich bis zur Unbewohnbarkeit. Häufig stecken tieferliegende Ursachen wie Traumata, Depressionen, ADS oder Verlusterlebnisse hinter diesem Verhalten.
Symptome rechtzeitig erkennen
Es gibt verschiedene Warnsignale, die auf eine beginnende oder fortgeschrittene Störung hinweisen können:
Extreme Sammelleidenschaft: Wertlose Dinge (Zeitungen, Verpackungen, defekte Geräte) können nicht entsorgt werden.
Sozialer Rückzug: Aus Scham werden keine Gäste mehr in die Wohnung gelassen. Handwerkertermine werden abgesagt.
Handlungsblockaden: Alltägliche Aufgaben wie Post öffnen, Rechnungen bezahlen oder Geschirrspülen werden chronisch aufgeschoben.
Verlust der Übersicht: Wichtige Dokumente gehen im Chaos verloren, Wohnbereiche können nicht mehr bestimmungsgemäß genutzt werden.
Wie man Betroffenen richtig hilft
Der wichtigste Grundsatz lautet: Niemals ohne Zustimmung handeln! Gut gemeinte, aber heimliche Aufräumaktionen von Angehörigen führen fast immer zu extremen Panikattacken, Vertrauensverlust und einer Verschlimmerung des Hortungsverhaltens.
Gehen Sie stattdessen einfühlsam vor. Signalisieren Sie Gesprächsbereitschaft ohne Vorwürfe. Suchen Sie professionelle Unterstützung – sowohl psychologischer Natur als auch durch spezialisierte Entrümpelungsunternehmen, die diskret und ohne Vorurteile arbeiten.
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